Dehnungsstreifen können den Eindruck erwecken, als würden sie „plötzlich” auftreten, doch in Wirklichkeit ist ihre Entstehung ein schrittweiser Prozess, der in den tieferen Hautschichten abläuft. Das Fehlen früherer Gewichtsveränderungen schließt ihre Entstehung nicht aus, da der entscheidende Mechanismus nicht nur in der Dehnung der Haut liegt, sondern auch in der Schwächung der Struktur der Kollagen- und Elastinfasern. Wenn die Haut ihre mechanische Festigkeit verliert, können bereits geringfügige Veränderungen des Gewebevolumens zu Mikroschäden führen, die sich mit der Zeit zu sichtbaren linearen Veränderungen entwickeln.
Eine wichtige Rolle spielen hormonelle Faktoren, insbesondere Cortisol, das die Kollagensynthese verlangsamt und die Regenerationsprozesse schwächt. Unter solchen Bedingungen wird die Haut weniger widerstandsfähig gegenüber alltäglichen Belastungen, und Dehnungsstreifen können innerhalb kurzer Zeit sichtbar werden, obwohl ihr Entstehungsprozess bereits zuvor begonnen hatte. Zudem spielen genetische Veranlagung sowie die Qualität der Mikrozirkulation eine Rolle, da diese die Versorgung und die Regenerationsfähigkeit des Gewebes beeinflusst.
In der Praxis bedeutet dies, dass „plötzlich” auftretende Dehnungsstreifen lediglich den Zeitpunkt ihres Erscheinens an der Hautoberfläche darstellen und nicht den Beginn des Prozesses. Daher sollte eine unveränderte Körpermasse weder die Diagnose noch die Vorbeugung ausschließen.